Die italienische Strickkunst

Vom Auskämmen der Faser bis zum Finish: Wie ein Kaschmirpullover in Italien entsteht und warum Haarlänge und Garnaufbau über die Haltbarkeit entscheiden.

Mode

Gestapelte Kaschmirpullover in Beige und Grau mit Incentive-Anhänger

Zwischen dem Rohstoff und einem fertigen Pullover liegen rund zwanzig Arbeitsschritte, von denen die meisten unsichtbar bleiben. Wer einmal gesehen hat, wie viel Handarbeit in einem Kaschmirstück steckt, versteht den Preisunterschied zwischen einem Teil, das drei Winter hält, und einem, das drei Jahrzehnte hält. Ein Blick auf den Weg, den unsere Garne nehmen.

Am Anfang steht ein Kamm, keine Schere

Kaschmir wird nicht geschoren, er wird ausgekämmt. Die Kaschmirziege trägt unter ihrem groben Deckhaar eine feine Unterwolle, die sie im Frühjahr von selbst abstößt. Genau in diesem Zeitfenster wird sie von Hand ausgekämmt, Tier für Tier.

Der Ertrag ist entsprechend klein. Ein Tier liefert im Jahr etwa 150 bis 250 Gramm Rohfaser, und nach dem Sortieren, bei dem das grobe Deckhaar entfernt wird, bleibt oft nur die Hälfte übrig. Für einen mittelschweren Pullover braucht es damit die Jahresernte von vier bis sechs Tieren. Das ist der eigentliche Grund für den Preis von Kaschmir, nicht die Marke auf dem Etikett.

Warum die Haarlänge über alles entscheidet

Nach dem Sortieren wird die Faser nach zwei Kriterien bewertet: Feinheit und Länge. Die Feinheit liegt bei guter Ware zwischen 14 und 16,5 Mikrometern, das ist etwa ein Fünftel eines menschlichen Haares. Sie bestimmt, wie weich sich das Material anfühlt.

Über die Haltbarkeit entscheidet aber die Länge. Lange Fasern lassen sich fester verzwirnen und liegen im fertigen Garn sicher, kurze arbeiten sich unter Reibung heraus und bilden Knötchen. Wir verwenden ausschließlich langhaarige Qualitäten und verarbeiten sie zu einem Garn der Feinheit 2/28, also einem zweifach gezwirnten Garn. Das ist deutlich aufwendiger als ein einfaches Garn, und man merkt es einem Stück nach fünf Jahren an.

Am Ende ist es dieser eine Punkt, an dem sich billige und gute Ware unterscheiden. Beides fühlt sich im Geschäft weich an. Nur eines von beidem sieht im dritten Winter noch so aus.

Spinnen und Zwirnen

Die sortierte Faser wird gewaschen, kardiert und zu einem Vorgarn gezogen, bevor sie gesponnen wird. Beim Zwirnen laufen zwei Einzelfäden gegenläufig zusammen. Das klingt nach einem Detail, ist aber der Schritt, der einem Garn seine Stabilität gibt: Die Drehung der beiden Fäden hält sich gegenseitig in Balance, das Gestrick verzieht sich später nicht.

Italienische Spinnereien arbeiten dabei traditionell mit weichem Wasser aus den Alpen. Weiches Wasser bedeutet weniger Kalk, und weniger Kalk bedeutet, dass die Schuppenschicht der Faser beim Waschen unbeschädigt bleibt. Es ist einer der Gründe, warum die norditalienische Textilregion diesen Ruf hat und nicht irgendeine andere.

Stricken: die Maschendichte verrät den Rest

Beim Stricken zeigt sich, ob an der Faser gespart wurde. Ein dicht gestricktes Teil braucht mehr Material, fällt schwerer und behält seine Form. Ein locker gestricktes wirkt auf dem Bügel zunächst luftig und leicht, längt sich aber schneller, weil weniger Substanz da ist, die das eigene Gewicht trägt.

Ein einfacher Test im Laden: Halten Sie das Stück gegen das Licht. Sehen Sie die Maschen deutlich als Löcher, ist es locker gestrickt. Bleibt die Fläche geschlossen, wurde nicht gespart. Bei Stücken wie dem Albani Cashmere Pullover Mysore sehen Sie den Unterschied auch am Gewicht in der Hand.

Das Finish entscheidet über den Griff

Nach dem Stricken folgt der Schritt, der aus einem korrekt gefertigten Teil ein besonderes macht: das Waschen und behutsame Walken. Dabei richten sich die Fasern auf, das Gestrick zieht sich leicht zusammen und bekommt seinen endgültigen Griff. Zu kurz gewalkt bleibt das Stück flach und leblos, zu lange gewalkt verfilzt es.

Diesen Punkt zu treffen ist Erfahrungssache und lässt sich schlecht in einer Maschineneinstellung festhalten. Es ist der Schritt, an dem sich zeigt, ob in einer Manufaktur Menschen arbeiten, die seit Jahrzehnten dabei sind. Anschließend wird jedes Stück von Hand kontrolliert, in Form gebracht und gedämpft.

Was Made in Italy tatsächlich bedeutet

Das Etikett allein sagt wenig. Entscheidend ist, wie viele der Schritte tatsächlich im Land stattfinden. Ein Teil, das in Fernost gestrickt und in Italien nur noch geknöpft und gebügelt wird, darf unter bestimmten Bedingungen ebenfalls als italienisch verkauft werden.

Fragen Sie deshalb konkret: Wo wird gesponnen, wo gestrickt, wo veredelt? Wer darauf eine klare Antwort gibt, hat in der Regel nichts zu verbergen. Was das für unsere Stücke heißt, steht auf der Seite Über uns, und woran Sie gute Verarbeitung selbst erkennen, haben wir in einem eigenen Beitrag über die kleinen Details zusammengefasst.

Häufige Fragen

Warum ist Kaschmir so teuer?

Weil der Rohstoff knapp ist. Eine Kaschmirziege liefert im Jahr 150 bis 250 Gramm Rohfaser, von der nach dem Sortieren etwa die Hälfte verwendbar bleibt. Für einen Pullover braucht es damit die Jahresernte von vier bis sechs Tieren.

Was bedeutet die Angabe 2/28 beim Garn?

Sie beschreibt die Feinheit und den Aufbau: ein zweifach gezwirntes Garn der Nummer 28. Zwei gegenläufig verdrehte Fäden halten sich in Balance, dadurch verzieht sich das Gestrick später nicht und die Faser bleibt sicher im Garn.

Wie erkenne ich guten Kaschmir im Geschäft?

Halten Sie das Stück gegen das Licht. Ein dichtes Gestrick bleibt geschlossen, ein lockeres zeigt die Maschen als Löcher. Achten Sie zusätzlich auf das Gewicht in der Hand und darauf, ob die Bündchen nach dem Dehnen sofort zurückspringen.

Wird Kaschmir geschoren?

Nein, er wird im Frühjahr von Hand ausgekämmt, wenn die Ziege ihre feine Unterwolle ohnehin abstößt. Geschoren wird nur bei minderer Qualität, weil dabei das grobe Deckhaar mit in die Faser gerät.

Ist Made in Italy eine Garantie für Qualität?

Nicht automatisch. Entscheidend ist, welche Schritte tatsächlich im Land stattfinden. Fragen Sie nach, wo gesponnen, gestrickt und veredelt wird, denn ein Teil kann anderswo gestrickt und in Italien nur fertiggestellt worden sein.

Wenn Sie den Unterschied einmal in der Hand halten möchten: In unserem Showroom liegen die Stücke zum Anfassen, und wir zeigen Ihnen gern, worauf Sie achten können. Die gesamte Cashmere-Kollektion finden Sie auch online.

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INCENTIVE CASHMERE · Made in Italy

Incentive Cashmere